Walter Padao - Situationen. Momente im Jetzt

Lendelhaus Werder/Havel - Am Markt 21

Ausstellung vom 16. Januar - 28. Februar 2016



Padao steht in der Tradition künstlerischer Auseinandersetzung mit dynamischen Körper-Raum-Bezügen im Bild. Verwandt dem Geiste des Kubismus und Futurismus, wo ebenfalls Bewegung und Zeit ins Bild einfließen, verarbeitet er Aspekte aktueller visueller Techniken (Video Stills, Bullet Time Effekt, etc.) in seiner Malerei. Die Bilder haben zudem einen surrealen Charakter - dem Rausch und dem Traum verwandt: Visuelle Erinnerungsspuren, Assoziationsfelder - geprägt vom Impuls und dem expressiven Moment.  
„Figuren tauchen in mehrdeutige, bühnenhafte Räume ein, und lassen in eigentümlichen Haltungen und Gesten Fragmente einer Szene, eines Moments aufleuchten. Fließende Übergänge und abrupte Wechsel von blitzartiger Bewegung und konzentriertem Innehalten. Die meist ungewohnt, manchmal grotesk wirkenden Haltungen und dynamischen Bewegungen der Figuren erzeugen Kraftlinien und Spannungsfelder, Spuren verfliegender Choreographien, die sich zu rätselhaften Arrangements zusammenschließen.“ (Philipp Gürtler)
„Dinge stehen, wenn man es unterlässt, sie immer wieder auf’s Neue zu verketten, seltsam nebeneinander, kommen ins Gleiten und erzeugen einen phantastischen Sog ins Zeitlose”, so die Aussage des Künstlers.  
Walter Padao studierte Malerei in Kassel, Bologna und Nürnberg als Meisterschüler bei Johannes Grützke.  
Der Kunstverein Goldrotschwartz möchte Sie mitnehmen, diese Situationen, diese Momente im Jetzt zu erleben im Werderaner Lendelhaus und lädt Sie hierzu ein zur Vernissage am Samstag, 16. Januar 2016 um 16.oo h.  
Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2016 jeweils samstags/sonntags in der Zeit von 14 – 17 h geöffnet.


Ausstellung Globale Begegnungen

Malerei und Skulpturen der Karin Weber Gallery Hongkong

Lendelhaus Werder / Havel 5.12.2015 - 10.1.2016

 

„Globale Begegnungen“
Eine Ausstellung der Karin Weber Gallery aus Hongkong

Erstmalig kooperiert der im Lendelhaus in Werder ansässige Kunstverein Goldrotschwartz German Arthouse mit einer internationalen Galerie.
In einer Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel „Globale Begegnungen“ werden zum Abschluss des Jahres 2015 Arbeiten der Karin Weber Gallery aus Hongkong präsentiert.

Bereits seit 1990 zeigt die deutsche Galeristin Karin Weber in ihrer gleichnamigen Gallery in der Aberdeen Street in Central Hong Kong internationale zeitgenössische Kunst.
Hongkong, einstmals als „kulturelle Wüste“ bezeichnet, hat sich inzwischen mit über einhundert Galerien und der Kunstmesse HK ArtFair weltweit einen Namen gemacht und zählt mittlerweile zu einem der wichtigsten Kunstmärkte der Welt.

Karin Weber hat seit fast 20 Jahren den Fokus hierbei auf burmesische,  chinesische und deutsche Kunst gelegt. Schwerpunktmäßig zeigt sie jedoch asiatische Kunst, die im europäischen Raum kaum vertreten ist und immer beliebter wird bei Kunstliebhabern und Sammlern. Seit 2001 reist die Galeristin hierfür regelmäßig nach Burma und verfolgt mit großem Interesse die Fortschritte in diesem faszinierenden Land. Zusätzlich nimmt die Galerie an Kunstmessen in Hong Kong sowie international in Miami und London teil. Auf deutschen Messen ist die Galerie regelmäßig in Köln und Hamburg vertreten.

So ist deutsche Kunst inzwischen viel beachtet in Asien und deutsche Künstler finden dort sehr großen Anklang. Insbesondere experimentiert die Karin Weber Gallery in Hongkong immer wieder mit neuen und gern gesehenen Arbeiten von Willi Siber und Tina Buchholtz, die nun Teil dieser „globalen Begegnung“ in Werder sind.
Weitere teilnehmende Künstler sind Eugen Kunkel und Edvardas Racevirius aus Deutschland und Luca Cruzat aus Chile.
Komplettiert wird diese umfangreiche Show durch die chinesischen Künstler Wang Gang, Wang Xiaoluo und Yang She Wei, die uns mit asiatischen Motiven und Malweisen – auch in Tinte - nach alter chinesischer Tradition begeistern werden.

Karin Weber – Gründerin und Ehrenmitglied der Hongkong Art Gallery Association - ist seit 2014 ansässig in Berlin und seitdem auch Mitglied des Kunstvereins Goldrotschwartz. Der Potsdamer Kunstverein freut sich sehr, der Öffentlichkeit diesen besonderen Stilmix und die verschiedenen Betrachtungsweisen deutscher und asiatischer Kunst in einer nicht alltäglichen Gemeinschaftsausstellung zeigen zu dürfen.

„Globale Begegnungen“, passender dürfte ein Titel hierfür kaum sein

Die Vernissage hierzu findet statt am Samstag, 5. Dezember 2015 um 16.oo Uhr im Lendelhaus in Werder am Markt 21.
Die Ausstellung ist geöffnet samstags und sonntags von 14.oo – 17.oo h und endet im neuen Jahr am 10. Januar 2016.

Ausstellung Rolf Ohst - Willi Kissmer

Körperfülle. Graziöse Gestalt

Lendelhaus Werder / Havel 11.10. - 29.11.2015


Einladungstext zur Ausstellung

In der nächsten Ausstellung widmet sich der Potsdamer Kunstverein Goldrotschwartz German Arthouse erstmalig ausschließlich der Realistischen Malerei.  
Neben den voluminösen und „fleischigen“ Werken des Malers Rolf Ohst werden ästhetische  Arbeiten des Duisburger Willi Kissmer komponiert.  
Ob Botticelli’s Geburt der Venus, Giorgiones Venus in einer Landschaft oder Tizians Venus in bürgerlichem Interieur über die Akte von Rubens, Rembrandt, Manet, Renoir, Modigliani, Matisse bis hin zu Cézanne oder Corinth, Rolf Ohst zitiert sie alle.
Dabei übersteigert der Künstler barocke Fülle ins Extrem, malt Botticelli’s Venus in anmutig zitternder, schüchterner Fettleibigkeit und platziert seine Figuren gerne am Meer vor dramatischen barocken Wolkenhimmeln, die ebenfalls die Seestücke der Niederländer lebendig werden lassen, wobei die Figuren im Duktus der Klassischen Moderne gehalten sind.
Wenn er dann auch noch eine ruhende fette Schönheit, die stark an einen gestrandeten, nach Luft schnappenden Wal erinnert, mit Edward Munch’s berühmtem Schrei betitelt, ist das Sampling perfekt.
Rolf Ohst gelingt es, respektlos, frech und humorvoll in bester Tradition an die Aktmalerei anzuknüpfen und sie in Zeitgenossenschaft zu überführen.
Die Arbeiten von Willi Kissmer hingegen setzen in ihrer Inszenierung einen deutlichen Akzent der künstlerischen Aussage  und erheben die Frau in der Ästhetik ihrer Erscheinung zum Kunstwerk.  
Kissmer ist die Darstellung des unbekleideten Körpers, der Akt an sich zu anspruchslos. Der Duisburger Maler zeigt uns seine Figuren niemals ganz, sondern verhüllt sie durch Farbe und Stoffe. Zugleich betonen die Draperien die Körperformen in lasziver Delikatesse und dezenter Erotik.  
Erotik und Kunst gehen in der Darstellung seiner verhüllten "Akte" eine selbst-verständliche Allianz ein.
Die Ausstellung - die sicher kontrastreicher und widersprüchlicher nicht sein könnte – erwartet sie im Lendelhaus in Werder/Havel vom 11. Oktober – 29. November 2015.  
Die Vernissage zur Ausstellung „Körperfülle.Graziöse Gestalt“ findet statt am Sonntag, 11. Oktober 2015 um 16.00 Uhr. 

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Artikel in der Märkischen Allgemeinen vom 24.11.2015

http://www.maz-online.de/…/Grazie-und-ueberquellende-Koerpe…

Ausstellung im Lendelhaus in Werder Grazie und überquellende Körperfülle

Eine außergewöhnliche Ausstellung führt gerade im Lendelhaus sehr feminine und makelfreie Modelle, die ihre erotischen Reize fast immer unter einer dürftigen textilen Teilbedeckung zeigen zusammen mit überbordenden weiblichen Hügellandschaften. Frauen in ihrer zarten und stabilen Form bestechen gleichermaßen in der aktuellen Schau.

Im linken Flügel des Lendelhauses zeigt der Kunstverein Goldrotschwartz noch bis zum 29. November die Ausstellung „Körperfülle. Graziöse Gestalt“ der Künstler Rolf Ohst und Willi Kissmer. Werder und besonders seine im breiten Havelstrom ruhende Inselstadt, mit ihren beiden Kirchen, den engen Gassen und den wechselnden Ansichten auf Natur und Architektur ist ohnehin eine Reise wert.

Dieser Tage aber gibt es dort ein weiteres optisches Ereignis zu bestaunen. Akte im Lendelhaus. Bilder mit nackten weiblichen Körpern finden sich inzwischen zwar in jedem Zeitungsständer, aber solche eben nicht. Überraschend am monumentalen Bilderreigen im Lendelhaus ist das Nebeneinander von halbverpackter Grazie und überquellender Körperfülle. Diese so rätselhafte und zugleich mutige Kombination von zwei fremden Bildwelten mit ihrer geradezu bipolaren ästhetischen Anschauung des weiblichen Körpers erwartet man nicht, zumal an diesem Ort. Es wirkt wie ein Duett von Tuba und Piccoloflöte.

Die Tuba spielt Rolf Ohst. Seine fleischbergige Riesenmatrone „Earth“ ist eigentlich nur die mehr als sechs Meter breite Mitteltafel eines noch größeren Triptychons und sie allein nimmt schon die komplette Stirnwand des hinteren Raumes ein. Ohst ist Realist mit Sinn für viel Hintersinn. So ist seine, auf allen Vieren kriechende fettleibige Mutter Erde teilweise eingerüstet und auf diesem Gerüst werkelt ein halbes Dutzend Miniaturbauarbeiter. Bis weit in den gebirgigen Bildhintergrund tummelt sich diverses Volk und belebt die Szenerie wie auf Altdorfers berühmtem Bild „Alexanderschlacht“. Anderen seiner stets beleibten Damen fehlt solch schmückendes Getümmel. Sie stehen solitär in mit feinem Pinsel gemalten bühnenbildartigen Landschaften oder Interieurs. Eine dieser nackten Damen wölbt ihren mit einer Perlenkette behängten Bauch in einer Seitenansicht und dreht dabei mit selbstbewusster Miene ihr Gesicht fast triumphierend dem Betrachter zu. So wirkt sie wie ein seitenverkehrtes Pendant zum Bild des Feldhauptmanns Allessandro del Borro aus der Berliner Nationalgalerie.

Altmeisterliche Akribie zeichnet auch die Bilder von Willi Kissmer aus. Seine Akte ahnt der Betrachter eher als dass er sie sieht. Kissmers sehr feminine und makelfreie Modelle zeigen ihre erotischen Reize fast immer unter einer dürftigen textilen Teilbedeckung. Manchmal verhüllt er sie auch mit nassen Stoffen unter denen sich dann die weiblichen Hügellandschaften und noch speziellere körperliche Details konturieren. Einige Damen sind in Tücher und Bänder gewickelt. Immer ist der Bildausschnitt so nah gewählt, dass sie wie Torsi wirken. Einschmeichelnde Farbharmonien in warmen erdigen Tönen komplettieren Kissmers ganz auf Erotik fixierte Inszenierungen. Sein bildnerischer Hedonismus ist aber kurioserweise auch die Brücke zur Fleischesfülle der Bilder von Ohst. Ein Besucher sprach im Gästebuch sogar von „Erotik pur“ und davon, dass ihn diese Gedankenwelten nicht mehr losließen. Mehr kann man von einer Ausstellung wirklich nicht erwarten. Auf nach Werder!

Ausstellung Christian von Grumbkow

Strömungen. Farbe im Fluss

Lendelhaus Werder / Havel 30.8. - 20.9.2015


In seiner bereits nun dritten  Ausstellung zeigt der im Werderaner Lendelhaus nun dauerhaft ansässige  Potsdamer Kunstverein Goldrotschwartz  abstrakte und farbintensive Arbeiten des Wuppertaler Künstlers Christian von Grumbkow.
Von Grumbkow setzt in seinen Bildern feinsinnig komponierte Farbschichten frei, kombiniert lasierende, sich gegenseitig überlagernde und durchdringende Farbflächen mit einem belebten Kontrast aus pastosen, fast reliefartig anmutenden Bildpartien. Die horizontale und vertikale Pinselführung schafft ein lineares Konstrukt, bleibt aber immer frei von rein grafischen Bildelementen, da die innerbildlichen Konturen ausschließlich aus der Farbe heraus entstehen. Formal mag man von statischer Ruhe im Bild sprechen, welche nur augenscheinlich im Kontrast zum Dialog zwischen Tiefenräumlichkeit und erkennbarem Malgestus steht. Von Grumbkow steigert so den Ausdruck und die Kraft der Farben, macht sie sichtbar und real spürbar.
Die Malerei des Künstlers Christian von Grumbkow thematisiert Momente der Bewegung und die dynamischen, kinetischen und expressiven Aspekte seines Protagonisten, der Farbe.

„Ich male keine Botschaft, keine Gedanken, sondern ich male Farbe“, so die Aussage des Künstlers. 

Die  Ausstellung: Strömungen. Farbe im Fluss möchte Sie mitnehmen, um einzutauchen in diese Farbenvielfalt und Farbenpracht.

Die atmosphärische Wirkung dieser Farbwelten präsentiert der Kunstverein Goldrotschwartz in einer sicher  außergewöhnlichen  Ausstellung  vom 24.8. – 20.9.2015 im ehemaligen Gutsherrenhaus der Saftfabrik Lendelhaus.
Der Auftakt beginnt mit einer öffentlichen Vernissage am Sonntag,  24. August 2015 um 16.00 h in Werder/Havel am Markt 21. Der Künstler ist hierbei anwesend und steht zu Gesprächen gerne bereit.

Ausstellung Fluffy, mum und Arielle Nebeneinandermiteinandergleichzeitig

Malerei und Skulpturen - Vera Oxfort - Marc Schmitz - Klaus W. Rieck

Lendelhaus Werder / Havel 26.7. - 16.8.2015

In den neuen Galerieräumen im Werderaner Lendelhaus präsentiert der Potsdamer Kunstverein Goldrotschwartz German Arthouse vom 25.7. – 16.8.2015 erstmalig eine Gruppenausstellung von in Berlin und Brandenburg arbeitenden international bekannten Künstlern.
Neben den abstrakten Positionen der  Potsdamer Malerin Vera Oxfort werden Arbeiten vom Venedig-Biennale Teilnehmer Marc Schmitz aus Berlin gezeigt;  komplettiert von Skulpturen und Marmorarbeiten vom aufstrebenden Berliner Bildhauer Klaus W. Rieck.
In Vera Oxforts Arbeit geht es um das Akzeptieren von Hindernissen.  Sie stellt sich Fallen und arbeitet mit Handicaps: schaffen mit links, ausradieren mit rechts; hintereinander, nebeneinander, gleichzeitig. Dies auch der Untertitel der Ausstellung: Fluffy,  mum und Arielle.
Vera Oxforts Bilder brauchen vor allem Zeit. Zeit in vielfältigem Sinne. Zunächst beanspruchen sie einen aktionsreichen, lebhaften und immer wieder auch konzentrierten Schaffensprozess. Da werden Graphit oder Kreiden in freier Geste auf den Bildgrund aufgetragen, um dann bald – unter Umständen gleichzeitig mit der anderen Hand – wieder weggewischt oder unter erstickender Farbe, beziehungsweise einem dämpfenden Weiß wieder zu verschwinden. So wird die Leinwand zur Arena, zum Kampfplatz, zum Ring: welche Geste wird am Ende noch zu sehen sein, welche Spur der Aktionen wird bleiben?
Die ungegenständlichen Bilder Marc Schmitz dagegen entziehen sich einer schnellen Interpretation.  Sujets, Raum und Zeit, sind bei dem Berliner Maler immer auch eng an den Entstehungsprozess gekoppelt.
Dem Künstler geht es ebenfalls um die Demonstration körperhafter Präsenz von Farben, ihre Konsistenz, emotionale Ausstrahlung und ihre wechselseitige Beeinflussung. In zahlreichen Schichten trägt er sie übereinander auf, beobachtet das Verhalten jeder Farblage. In seine Bilder bringt er nichts hinein. Was jedoch dadurch entsteht, sind Gemälde, welche Assoziationen zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts heraufbeschwören, gleichwohl konträre Dispute der Gegenwart evozieren.
Vervollständigt wird die Dreierausstellung mit graziösen Skulpturern von Klaus W. Rieck. Der Berliner  Steinbildhauer  arbeitet im Dialog mit dem Material Stein. Das bedeutet für ihn Vorgaben des Materials aufzunehmen, den Stein gleichsam als ein Individuum zu begreifen und in einem langen Prozess der Zwiesprache zur endgültigen Form zu finden. Am Ende stehen Artefakte in Stein, die auf nichts verweisen wollen und sich selbst bedeuten. Der Stein dient hier nicht allein als Medium, um einer inneren Vorstellung Gestalt zu geben, er selbst wird für unsere Augen geöffnet.

 

 Eröffnungsausstellung Goldrotschwartz im Lendelhaus / Werder - Havel

Text zur Ausstellung

Eberhard Matthies - Farb- statt Feindbilder 

Ein internationales Kunstprojekt in der Normandie. Aus grauer Vergangenheit wurde farbige Gegenwart.

Entlang den Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee planten die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg von Frankreich bis Norwegen eine 2685 Kilometer lange Linie von befestigten Stellungen. Der „Atlantikwall“ sollte diese Gebiete vor einer alliierten Invasion schützen. Im Zeitraum von 1942 bis 1944 wurden 8119 Bunker gebaut. Der Mythos des unbezwingbaren Atlantikwalls hielt bis zum 6. Juni 1944, als alliierte Truppen in der Normandie den Wall durchbrachen und Nazideutschland elf Monate später zur Kapitulation zwangen. Noch heute geben Tausende Bunker eine Ahnung von den Schrecken des Krieges. 

Dort, wo mit der Landung der Alliierten im Juni 1944 die Befreiung Europas begann, bemalten Künstler zusammen mit deutschen und französischen Hochschülern im Sommer 2013 die Bunker von Néville sur Mer als Zeichen einer friedlichen Zukunft.

Auf Initiative des Magdeburgers Künstlers Eberhard Matthies wurde die Farbkonzeption zusammen mit einem Künstlerteam entwickelt und erarbeitet. Durch die anschließende künstlerische und farbige Verkleidung erfuhren die Bunkeranlagen von Néville sur Mer eine Verwandlung, die bis dato unvorstellbar war.  

Überreste der Zerstörung eines schrecklichen Krieges waren nun starkfarbige expressive Kunstobjekte. Sie damit vor der Gleichgültigkeit zu bewahren und dem Vergessen zu entreissen. Sie mitten ins Leben zu katapultieren, dies war das Herzanliegen von Eberhard Matthies, dessen Idee zu diesem Kunstprojekt während seiner immer wiederkehrenden  Aufenthalte eben hier in der Normandie heranreifte. Frieden schaffen durch Kunst. 

Durch die Idee von Eberhard Matthies, unterstützt durch die französische Initiative„Mémoire en couleurs Néville sur Mer“ und dem Magdeburger Verein „Erinnerung in Farben Magdeburg e.V. wurden letztendlich sechs Bunker durch eine weithin sichtbare Farbgestaltung für einen begrenzten Zeitraum zu einem ganz besonderen Kunst- und Friedensprojekt.

Die aus diesem Projekt entstandenen Bilder des Künstlers zeigen abstrakte Strandlandschaften. Diese farbintensiven Pastelle und Ölgemälde, die bereits in viel beachteten Ausstellungen in Frankreich, in Berlin und auch im Landesfunkhaus des MDR in Magdeburg gezeigt wurden, werden nun erstmalig durch den Kunstverein Goldrotschwartz German Arthouse in Werder / Havel präsentiert.

„Die Bunker erhalten mit der kräftigen Farbgebung in Rot, Blau, Gelb, Grün und Schwarz eine ganz neue Wirkung, der sich der Betrachter mit dem Wissen über die Geschichte dieser Betonungetüme an der Küste der Normandie nicht entziehen kann. „Wir haben die Bunker aus ihrer erhabenen Hässlichkeit und Menschenfeindlichkeit gerissen, so die Aussage Matthies`.

Ausstellung Thomas Schönauer

Raumfarbenspiel. Die Vereinigung der Gegensätze

Presseartikel zur Ausstellung in den Potsdamer Neuesten Nachrichten am 13.9.2014

Thomas Schönauers

Ausstellung „Raumfarbenspiel. Die Vereinigung der Gegensätze“                   

Kühn, modern und „a little bit crazy“ gibt sich der 2010 in Hongkong gegründete Kunstverein „Goldrotschwartz German Arthouse“. Mit ihm will der weltläufige Achim Künsebeck „Deutschland anders“ zeigen, gleichwohl das, was hierzulande an moderner Kunst produziert wird, draußen bereits hohes Ansehen genieße. Ein widersprüchlicher Satz, ohne Zweifel. Irgendwie meint Künsebeck mit seiner Idee dann auch Potsdam. Weniger ob der burschenschaftlich begründeten Farbumkehr der deutschen Flagge, sondern „weil wir hier wohnen“. Man will so frischen Wind in die Stadt hineinblasen, rein künstlerisch zwar, dafür aber kühn und crazy. Die erste Ausstellung des Vereins im schneeweiß getünchten Kunsthaus „sans titre“ zeigte jüngst Werke von Ralf Rduch, Hanjo Schmidt und Rolf Ohst, und damit die spitternackt-fleischige Seite von Germania. Alle drei gehören zum prestigeverdächtigen Künstler-Netzwerk der Goldrotschwartzen, wie Thomas Schönauer auch, dessen Werke nun im „sans titre“ zu sehen sind.

1953 in Düsseldorf geboren, hatte es Schönauer zunächst zur Literaturwissenschaft und Philosophie gezogen. Dann spürte er den Künstler in sich. Heute stellt er zwischen Rio und Asien überall aus. Seine Ausstellung in Potsdam trägt den Titel „Raumfarbenspiel. Die Vereinigung der Gegensätze“. Der erste Teil dieser Formulierung bezieht sich auf die Malerei, der andere kommt aus der Sophisterei. Das ist der Gegensatz, die Versuchsanordnung. Ach, wie viele haben sich schon an der Vereinigung des Unvereinbaren versucht, haben sich an diesem Stück Welt-Dialektik abgearbeitet, selbst Hegel. Sollte Thomas Schönauer nun der erste Erfolgreiche sein?

Der Zugang zu seinen Ideen ist rein philosophisch, wenn er sagt, ihn interessierten besonders Mikros und Makros, Strukturen, Polaritäten, die Dimensionen aus Zeiten und Räumen, das uneinige Zusammenspiel von Geist und Materie. Seine Ästhetik hingegen ist der Computertomografie abgeschaut, denn man hat eine Serie von „CT-Paintings“ vor Augen. So, als würde man beliebige Objekte in dünnste Scheibchen schneiden, vergrößern und dann ausstellen. Da ist jede Schicht anders, und doch immer Struktur. Die Idee zu einer solchen Aufteilung ist schon wieder der Philosophie geschuldet, Descartes lehrte die Methode vom schrittweisen Zerteilen.

Als Malgrund verwendet Schönauer Edelstahlplatten, die er mit Quarzsand, Flüssigpigmenten und Epoxydharzen sozusagen in Fluss bringt. Ein Bild, so erzählt er, müsse in zwei Stunden fertig sein, dann sei das Harz hart und nichts mehr zu machen, höchstens noch etwas Acryllack darüber. So bilden sich polychromatische Farbflüsse, kunterbunte und trotzdem wohlgeordnet erscheinende Strukturen, in die man sich mühelos hineinkontemplieren kann. Werke des Zufalls insofern, als Schönauer nicht jede Reaktion seiner Versuchsserie beherrscht, sondern höchstens 70 Prozent. Ein Künstler im Raumfarbenspiel als „Engineering Artist“, der den Weg ins Labor nicht scheut und sogar von einem großen Klebemittel-Konzern angeheuert wurde.

Schönauer arbeitet so genau, dass er alle Arbeitsprozesse protokolliert, bis hin zu Temperatur und Raumfeuchtigkeit. Kein Wunder, wenn man solche Art voller Respekt „Malerei der Zukunft“ nennt. Sie wird sogar mit der Nano-Technik in Verbindung gebracht. „Alle Arbeiten haben einen Fluss, der nie aufhört.“ Gefragt, was diese Technik nun mit dem Menschen zu tun habe, antwortet er, es seien seine Bilder, quasi seine eigenen CTs. Wer wüsste es besser!

Neben diesen Arbeiten in unterschiedlichen Größen und Formen – Längs- und Hochformate, Rundes und Mehrgeecktes – findet man im Schöngeweißten des „sans titre“ auch Skulpturen, die trotz ihrer räumlichen Dimension auf gleiche Weise wie seine dreidimensionierten Bilder behandelt worden sind. Mit Fließharzen zum Beispiel, und mit speziellen Lacken, wie er sie für Objekte früherer Jahre verwendete. Polygone, gestapelte Atome und Molekülstrukturen als Kunstwerke, das schmückt jede Akademie und findet stets treue Deuter. Stehen sie auch außerhalb jeder Kritik, so ihr Produzent mitnichten.

Zu fragen wäre nach dem Kunstgehalt dieser Schöpfungen, und ob manches nicht nur seine dekorative Seite zeigt. Zur Kunst gehört nun mal der Mensch. Insofern ist diese Ausstellung das glatte Gegenteil der vorigen, mit ihren fetten Nackten. So hat sich zwar des Vereins Kühnheit eingelöst, nicht aber die Gegensätze. Noch immer wohnen Malerei und Philosophie in Schönauers Brust, um den Vorrang streitend. Versuchslabor oder Malatelier? Der Weg ist der Fluss, hin zum Ziel Harmonie. Wie nun: die Technik als Künstler, der Künstler als Philosoph, ein Philosoph der Künstler? Diese Frage beantwortet sich im „sans titre“ jedem Betrachter von selbst.

Ausstellung mit Arbeiten der Künstler Ralf Rduch, Rolf Ohst, Hanjo Schmidt

Vielschichtig. Die Kunst des Körpers zur Verwandlung

Potsdam, Kunsthaus sans titre - 9.5. - 1.6.2014


Text zur Ausstellung aus den Potsdamer Neuesten Nachrichten - Ariane Lemme

Der neue Potsdamer Kunstverein Goldrotschwartz zeigt im „sans titre“ drei Maler – und ein Thema.                   

Blassrosa ist keine Farbe die schreit. Normalerweise. Blassrosa steht für Jugend, Zartheit und Zurückhaltung – aber nicht in der Ausstellung „Vielschichtig. Die Kunst des Körpers zur Verwandlung“, die derzeit im Kunsthaus „sans titre“ zu sehen ist. Dort bekommt dieses eigentlich lahme Blassrosa eine fast schon penetrante Wucht. In Form von menschlichem Fleisch wabert es hier über die großformatigen Bilder – so viel nacktes Fleisch war im „sans titre“ wohl selten. Das wäre an sich aber keine Sensation. Nacktheit, selbst wenn sie pornografisch wäre – was sie hier definitiv nicht ist –, regt weder an der Bushaltestelle noch im Internet kaum noch jemanden auf. In der Kunst, die ja Tabus brechen soll, schon gar nicht.

Immerhin: Rolf Ohst, dessen Bilder im „sans titre“ neben denen von Ralf Rduch und Hanjo Schmidt hängen, bricht mit seinen nackten Leibern ein anderes, vielleicht eines der letzten Tabus überhaupt: das Diktat des schlanken, straffen Körpers. Seine Modelle sind allesamt Frauen, was konsequent ist, schließlich verzeiht die Gesellschaft ihnen Fettleibigkeit noch viel weniger als Männern. Für jede der Frauen gibt es ein reales Vorbild, was er mit ihren überbordenden Körpern beim Betrachter auslösen will, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Ein wenig erinnern seine üppigen Leiber an die des 2011 gestorbenen britischen Maler Lucian Freud. Auch der beschönigte nichts, bei Ohst aber liegen die Frauen unbeweglich und ausgeliefert an Fantasiestränden. Das wirft den Betrachter auf seine Vorurteile, die tief ins Hirn gebrannten Schönheitsideale zurück, dann steht man plötzlich vor dem lebensgroßen Bild einer jungen Frau, die direkt zurückschaut. Sie ist dem Blick der Besucher nicht einfach ausgeliefert, hier kommt die Würde mit ins Spiel.

Es ist vielleicht das bemerkenswerteste Bild der ganzen Ausstellung, die Achim Künsebeck zusammen mit seiner Frau Dorothee organisiert und kuratiert hat. Es ist die erste ihres Kunstvereins Goldrotschwartz, der in Potsdam noch über keine eigenen Räume verfügt. Für die Schau, erzählen die beiden, mussten sie in Potsdam Klinken putzen. Die meisten Galerien in Potsdam haben nun mal ein straffes Programm. Der Name des Vereins, sagt Künsebeck, soll keine Deutschtümelei sein – eher im Gegenteil. Seine Frau und er gründeten Goldrotschwartz 2010, als sie aus beruflichen Gründen in Hongkong lebten. Kunst sammelten die beiden bis dahin nur privat, dann fanden sie, es sei an der Zeit für eine Online-Galerie. Also fingen sie an, deutsche Künstler im Ausland zu zeigen. Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl: Mutig sollte sie sein, die Kunst, unbefangen, abseits des Mainstream. Dafür soll dann auch der Name Goldrotschwartz stehen. „Wir wollten bewusst mit der konträren Reihenfolge der Deutschlandfarben spielen“, sagt Achim Künsebeck. Deutschland andersherum also, tolerant, weltoffen – und mit dem „Art“, der Kunst also im Schwarz gleich mit inbegriffen.

Dass die beiden, zurück in Deutschland, nach Potsdam zogen, war kein Zufall – „das war unser Traum“, sagt Dorothee Künsebeck. Gute Kunst gebe es nicht nur in Berlin zu sehen. „Was hier noch ein wenig fehlt, ist die Öffentlichkeit, die sich die Sachen dann auch anschaut“, sagt Achim Künsebeck. Da wollen die beiden jetzt ansetzen, mit Kunst, die „nicht immer schön ist, aber knallhart und manchmal gar provokativ“, wie Künsebeck sagt.

Und klar: Schön im rein ästhetischen Sinne sind Ralf Ohsts Nackte nicht, auch die oft kopflosen Körper von Hanjo Schmidt sind körperlich bestenfalls Durchschnitt. Dass sich die Männer und Frauen auf seinen Bildern gerne mal beherzt an ihre empfindlichsten Stellen greifen, mag man knallhart finden – muss man aber nicht. Das haben schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Egon Schieles Frauen – um nur ein Beispiel zu nennen. Die Art, auf die Schmidt ihren Hautton trifft, dieses hyperrealistisch rosig Schimmernde, erinnert an eine andere Epoche, die nacktes, quellendes Fleisch feierte – den Barock.

Bei Ralf Rduch hingegen findet man auch in „Vielschichtig“ athletische – also nach gängigem Schönheitsideal richtige – Körper. Einem verborgenen Rhythmus folgend verdrehen und verbiegen sie sich, manche scheinen in einen flirthaften Tanz versunken. Aktstudien in Öl könnte man sie nennen, trügen nicht einige von ihnen Tierköpfe. Hier bleibt Rduch aber eher in einer klassischen Rollenzuweisung: Ein Mann mit Hirschhaupt samt kräftigem Geweih rangelt mit einer dunkelhaarigen Schönheit, eine Frau mit zart geneigtem Fuchskopf lässt, neckisch die Hüfte eingeknickt, einen Mann vor sich knien. Das erzeugt durchaus eine subtile, leicht erotische Spannung – provokativ aber ist es nicht. Reibung im Kopf des Betrachters entsteht tatsächlich vor allem bei Ohsts Feier des Fetts.

„Vielschichtig. Die Kunst des Körpers zur Verwandlung“ ist noch bis zum 1. Juni im Kunsthaus „sans titre“, Französische Straße 18, donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

http://www.pnn.de/potsdam-kultur/856064/