Bericht über Rolf Ohst - Kunstmagazin Milionart

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Walter Padao - Situationen. Momente im Jetzt

Lendelhaus Werder/Havel - Am Markt 21

Ausstellung vom 16. Januar - 28. Februar 2016











Walter Padao – Situationen. Momente im Jetzt

Padao steht in der Tradition künstlerischer Auseinandersetzung mit dynamischen Körper-Raum-Bezügen im Bild. Verwandt dem Geiste des Kubismus und Futurismus, wo ebenfalls Bewegung und Zeit ins Bild einfließen, verarbeitet er Aspekte aktueller visueller Techniken (Video Stills, Bullet Time Effekt, etc.) in seiner Malerei. Die Bilder haben zudem einen surrealen Charakter - dem Rausch und dem Traum verwandt: Visuelle Erinnerungsspuren, Assoziationsfelder - geprägt vom Impuls und dem expressiven Moment.  
„Figuren tauchen in mehrdeutige, bühnenhafte Räume ein, und lassen in eigentümlichen Haltungen und Gesten Fragmente einer Szene, eines Moments aufleuchten. Fließende Übergänge und abrupte Wechsel von blitzartiger Bewegung und konzentriertem Innehalten. Die meist ungewohnt, manchmal grotesk wirkenden Haltungen und dynamischen Bewegungen der Figuren erzeugen Kraftlinien und Spannungsfelder, Spuren verfliegender Choreographien, die sich zu rätselhaften Arrangements zusammenschließen.“ (Philipp Gürtler)
„Dinge stehen, wenn man es unterlässt, sie immer wieder auf’s Neue zu verketten, seltsam nebeneinander, kommen ins Gleiten und erzeugen einen phantastischen Sog ins Zeitlose”, so die Aussage des Künstlers.  
Walter Padao studierte Malerei in Kassel, Bologna und Nürnberg als Meisterschüler bei Johannes Grützke.  
Der Kunstverein Goldrotschwartz möchte Sie mitnehmen, diese Situationen, diese Momente im Jetzt zu erleben im Werderaner Lendelhaus und lädt Sie hierzu ein zur Vernissage am Samstag, 16. Januar 2016 um 16.oo h.  
Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2016 jeweils samstags/sonntags in der Zeit von 14 – 17 h geöffnet.


 

 

PNN KulTOUR: Kunstverein „GoldrotschwARTz German Arthouse: Das Schaf in der U-Bahn

Presseartikel von Gerold Paul in den Potsdamer Neuesten Nachrichten am 26. Januar 2016

Werder (Havel) - Schade, dass es nach gut einem dreiviertel Jahr mit dem Kunstverein „Goldrot-schwARTz German Arthouse“ schon wieder zu Ende geht, wenigstens im Werderschen Lendelhaus am Inselmarkt. Eine Dienstversetzung ins Ausland, da kann man nichts machen. Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Achim Künsebeck und die Seinen haben das Kunst-Sehen und den Kunstverstand vor Ort auf ihre „ART“ zweifellos bereichert.

So auch mit der letzten Ausstellung „Situationen/Momente im Jetzt“ des Düsseldorfer Künstlers Walter Padao. Er studierte Malerei in Kassel, Bologna und Nürnberg, war Meisterschüler bei Johannes Grützke. Er ist ein Mann der interdisziplinären Tat, hat Bühnenbilder entworfen, mit Tänzern und Musikern gearbeitet, hat sich an Rundfunk- und anderen Textproduktionen beteiligt. Erinnerlich dürfte dem Ruhrpott das Projekt „Radio noir“ (2011) geblieben sein, darin eine Rundfunksprecherin die Zuhörer zu Gewalt- und anderen Aktionen verführen will. Eine Sirene also, genau wie die von ihm gemalte Parthenope, welche die Helden der griechischen Vorzeit anlockt, Odysseus, Aenaeas. Zwei dieser gewaltigen Gemälde hat Walter Padao mitgebracht. Es sind im Wortsinn Bühnen-Bilder, Bild und Bühne der Welt und des Lebens zugleich. Die Welt als Bühne, das ist ganz barock gedacht.

Fahrige, schreitende, huschende Gestalten bevölkern andere Arbeiten, die U-Bahn sind, Straßenszene, Parkett, oder Unterwasserbecken. Dunkel, aber im Ausdruck nicht finster, vom Sujet her geistvoll und geistig, in der Farbgebung kompakt, wird der Mensch-und-Lebens-Augenblick hier kunstvoll in die Farben der Schatten gesetzt, mit Acryl oder Öl. Der Künstler fühlt und erspürt den mythischen Hintergrund: Shiwa tanzt die Welt, die Sirene verführt wackere Männer, und „Maya“ steht altgriechisch einfach für Illusion. „Momente im Jetzt“: Man sieht und erlebt tatsächlich, wie Padao in seinem Traum-Gedanken-Strom die Stopp-Taste drückt, um den vielleicht faustischen Augenblick festzuhalten.

Licht und Schatten

Dann gehen die Bilder und ihre Geschichten auch schon weiter, wie im Film oder Traum: Mit der nächsten Lockung der schönen Sirene, bei den „Nachtwartenden“ auf glutroter Straße, bei „Drunter und Drüber“ sowieso, das steht ja im Titel. Auch der Menschenzug Watender in „Condensed Expanded“ hält nur für einen Moment inne, um dann am Betrachter vorbeizuziehen. Licht und Schatten! Diese Bilder haben tatsächlich eine barocke Existenz, auch, weil jene „ART“ das Leben als Traum verstand, den Weltlauf als die Arena eines viel höheren Willens.

Und dann plötzlich die Kehre, wenn Padao ans Tiefstapeln geht: Auf einmal ist sein Bildwerk nur Illusion, die Farbe nur Farbe, Sujets nur Blendzeug in einer Gleichzeitigkeit. Überall hyperreale Komposition, unscharfe Bewegung, Fremdes im Vertrauten. Überall Geist! Wie kommt das arme Wollschaf in die U-Bahn-Station? Keine Ahnung, sagt er, aber wenn diese Szene denk- und malbar ist, dann gibt es sie auch! Seit Jahrhunderten schon sind Maler die Wächter und Lehrer fürs Sehen. Diese Bilder lassen der Phantasie ihren Raum, Leidenschaft, Dynamik, Spannung ist drin, manch eines scheint von innen her zu brennen. Padao zeigt, ja zelebriert, durch sein „T-Räumen mit Menschen“, dass Malerei mit Leben zu tun hat, mit Verführung und Illusion – sonst wäre Parthenope ja nicht da, und auch nicht das Schaf da drunten.

Zu sehen bis zum 28. Februar 2016 jeweils Sa./So. 14 bis 17 Uhr.

Presseartikel von Lothar Krone in der Märkischen Allgemeinen Zeitung am 27. Januar 2016

Abschied von der Insel - Walter Padao in Werder             

Der renommierte Kunstverein „Goldrotschwartz“ aus Werder verabschiedet sich mit einer sehenswerten Ausstellung im Lendelhaus. Gezeigt werden Werke des Malers Walter Padao. Der Künstler hat eine Vorliebe für Schafe. Die Tiere tauchen in den Bildern oft überraschend auf.

Der Kunstverein „Goldrotschwartz“ bleibt sich treu und zeigt zum Abschied von der Inselstadt noch einmal im Lendelhaus in Werder, dass Provinz kein geografischer Ort ist, sondern einzig eine Dimension des Geistes. Wie schon die Vorgängerausstellungen ist auch die des Malers Walter Padao mehr als nur ein Ausrufezeichen wert und fernab jeder Provinzialität.

Padaos Bilder beeindrucken bereits durch ihre schiere Größe. Draußen die biedermeierliche Idylle der verwinkelten Gassen der Inselstadt und drinnen Bilder, die schon durch ihre schiere Größe alles andere als Lieblichkeit und Ruhe ausstrahlen.

Der Ausstellungstitel „Situationen. Momente im Jetzt“ ist so konkret und gleichzeitig unscharf wie die Bilder selbst. Die Wirklichkeit, die Padao abbildet und sein vermeintlicher Realismus scheinen eher dem Genre Theater als der Malerei zugeordnet. Seine bizarren Szenerien mit bühnenbildartiger Anmutung wirken wie Momentaufnahmen, bei der sogar die Bewegung und das Licht in befremdlicher Künstlichkeit erstarrt sind.

Auch das Personal seiner riesigen Leinwandinszenierungen ist fern jeder Normalität. Wartet das ausgewachsene Schaf allein auf den einfahrenden U-Bahnzug oder gehört es zu einer der beiden Frauen die mit ihren Rollkoffern über den Bahnsteig eilen? Schafe haben es Padao angetan. Auch bei seinen „Nachtwartenden“ überquert ein flauschiger Wollproduzent an der Seite einer im Ballkleid gewandeten Dame, die in nächtliches Rotlicht getauchte Fahrbahn. Während Padaos Frauen mit Grazie und oft auch körperlicher Blöße zu gefallen wissen, wüten die Kerle wie die Berserker. Da springt ein Tobsüchtiger auf den Tisch und trommelt mit den Fäusten auf die Platte, unter der ein zweiter Herr flach liegend Zuflucht gefunden hat.

In Werder rotieren die Frauenkörper über die Leinwände     

Weniger aufgeregt und ganz auf die feminine Ästhetik von tanzenden Frauen fokussiert, sind seine kleinformatigen Serien von Ballett-Tänzerinnen. Mit sehr reduzierten, flächigen Pinselstrichen verwandeln sich flüchtige Ahnungen vorbeirotierender Frauenkörper in warme Farbklangbilder. Auf einem dieser Kleinformate werfen Ocker-, Orange- und Rot-Töne bläuliche Schatten und bilden vor edlem Grau einen perfekten Fond für das leuchtende Weiß auf den Körpern der Ballerinen. Ein häufiges Gestaltungsmittel auf Padaos Bildern sind die wie Wischer gemalten Bewegungsunschärfen, wie man sie von Fotografien kennt. Sie fügen etlichen der Arbeiten ein expressives Moment hinzu.

Wirklich sehr bedauerlich ist, dass mit dieser Ausstellung das Intermezzo des Kunstvereins „Goldrotschwartz“ in Werder endet. Der Arbeitgeber von Achim Künsebeck, das Auswärtige Amt, hat ihn in das Generalkonsulat nach Krakau beordert. Seine Frau Dorothee und er sind aber bekanntlich die Protagonisten von „Goldrotschwartz“. So wird sich das Zentrum der künstlerischen Aktivitäten des Vereins voraussichtlich wieder weiter ’gen Osten verlagern. Aber was heißt das schon in einer globalisierten Welt.   

Die Ausstellung im Lendelhaus, Am Markt 21, ist noch bis zum 28. Februar zu sehen.

        Von Lothar Krone